Bloghouse. Unwort oder die Zukunft der Musik?

Wahrscheinlich hat dieser Begriff Bloghouse als erste die Zeitschrift “Phoenix” in den Journalismus gebracht und damit einem relativ neuen Phänomen der Entwicklung von Musik und Internet einen Namen gegeben. Im Beitrag Blog house in Basstown wird über die angeblich erste Blog-House Band berichtet. Diese nutzte Blogs als Verbreitungsvektor, da sie zwar ein gutes Lied produziert haben, aber die Samples nicht gecleart haben. (Sample-Clearing heisst, dass wenn ein Produzent Teile eines fremden Stückes in einer Produktion benutzt, dass er dies zuerst rechtlich klären muss) Also blieb den Jungs nichts anderes übrig, als das Lied halt einfach so zu veröffentlichen. Scheinbar hatten sie so ungeahnt grösseren Erfolg und dementsprechend auch Promo, als wenn sie dieses Lied herkömmlich veröffentlicht hätten.

Genau so wie New Rave ist aber auch dieser Begriff umstritten. Für mich stellt er mehr die Art und Weise der Verbreitung und des Marketings von Musik dar, als ein Genre im eigentlichen Sinne. House steht dabei für Clubmusik (was ja ein riesiges Spektrum umfasst) und Blog für die Verbreitung.

Bloghouse Szene
Die Bloghouse-Szene funktioniert dabei so, dass es einige renommierte Blogs gibt, welche eine grosse Leserzahl haben und stetig über Musik schreiben und auch Musik frei zum Download anbieten. Die Tracks werden diesen Bloggern regelrecht nachgeworfen, da ein Post bei einem grossen Blog sofort riesige Promotion bewirkt. Oft sind das Freetracks aus einer neuen EP, welche dann natürlich auch gleich zu den entsprechenden Stores verlinkt wird. Manchmal sind es auch “illegale” Remixes, welche nicht veröffentlicht werden dürften, aber trotzdem sehr tight sind. Diese werden dann auf anonymen Downloadsites wie Rapidshare (kostenpflichtig) oder zShare (gratis) abgelegt und der Blogger sichert sich rechtlich ab, indem er für Links auf seiner Seite keine Verantwortung übernimmt.

Hypem.com
Zusätzlich zu dieser riesigen Blogszene gibt es dann noch die HypeMachine (hypem.com). Diese durchsucht regelmässig tausende dieser Musikblogs und kopiert sich die darauf publizierte Musik in einen lokalen Cache, aus welchem man diese Tracks dann direkt anhören kann. Man kann auf Hypem.com auch verweilen und in den Radiomodus schalten und so neue Hypes während dem Arbeiten entdecken. Die Hypemachine erstellt auch Rankings und Trends einzelner Tracks. Deshalb weiss die HypeMachine auch was momentan Hype ist.

Bloghouse Künstler
Als erstes würde ich sagen, ist sicher Crookers die heisseste Combo, die durch diesen Bloghype herausgekommen ist. Mit ihren bombastischen Remixes von AC/DC “Thunderstroke” oder The Chemical Brothers Feat. Fatlip – The Salmon Dance (Crookers Wow Remix) katapultierten sie sich an die Spitze der Produzenten und DJs in diesem Genre.

Weiter erwähnenswert sind Mighty Fools und FOAMO. Mighty Fools hat vorallem mit ihrem Remix von Kelis – Milkshake auf sich aufmerksam gemacht.

Weiteres Namedropping kommt hoffentlich in kommenden Posts noch mehr. Jedenfalls möchte ich meiner verehrten Leserschaft meine Lieblingsblogs nicht vorenhalten:

Bloghouse Blogs
Mein absoluter Favorit momentan ist: You can Call me Pelski. Ein richtiger Freak, der viel Musik postet, die mir persönlich auch immer sehr gefällt und alles direkte Downloadlinks anbietet. Seine Hochnäsigkeit als Topblogger und Hipster ist auch immer wieder amüsant.

Dann Dancefloor Mayhem, welche jetzt auch auf den eigenen Server gezogen sind und meistens direkte Links anbieten. Ebenfalls sehr geiler Sound im Bereich Elektro, House aber auch Minimal.

Als Label hat Palms Out Sounds gleich noch einen eigenen sehr starken Blog, auf welchem regelmässig gratis Musik angeboten wird und auch wöchentlich mit dem Remix Sunday eben solche umstrittenen Remixes veröffentlicht. Darunter habe ich schon einige glänzende Perlen gefunden!

Für Clubhiphop und Baltimore ist wahrscheinlich First Up, eine schwedische Bloggerin, die auch gleich noch einbisschen Erotik in die Posts hauchen kann, die beste Quelle.

Elektro, Elektropop und Discohouse findet man auf DiscoBelle.net und DiscoDust. Discobelle ist mittlerweile schon so professionell, dass sie Gerüchten zufolge sogar ihre Autoren bezahlen können. Diese Jungs waren auch schon in Zürich im Besame Mucho und hatten ein wahnsinniges Set gedropt.

Nun warten nur noch alle gespannt darauf, bis sich die PushkingNoize Remixes in der Blogosphäre wie ein Lauffeuer verbreiten.

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